Der Landschaftspflegeverband Kelheim VöF e.V. Der Landschaftspflegeverband Kelheim VöF e.V.

Labertalprojekt – eine Kooperation aus Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Naturschutz

Die Große Laber ist ein seltenes Beispiel eines naturnahen Hügellandflusses mit weitgehend als Grünland erhaltener Talaue. Sie prägt im Landkreis Kelheim einen Talraum von ca. 850 ha. Häufige Überschwemmungen und hohe Grundwasserstände beeinflussen das gesamte Tal. Die Talaue ist noch Lebensraum für seltene Vogelarten, wie Großer Brachvogel, Kiebitz, Blaukehlchen, Wachtelkönig und den Weißstorch. In der Talaue liegt auch das Naturschutzgebiet „Niedermoor südlich Niederleierndorf“, das weitere seltene Tier- und Pflanzenarten, wie z.B. die Trollblume, den Kriechenden Sellerie oder die Sumpfschrecke beherbergt.

Situation zu Projektbeginn

Rückgang der grünlandbewirtschaftenden Betriebe einerseits damit verbunden ein Druck zu verstärkter Ackernutzung im Überschwemmungsgebiet führt zu vermehrten Nährstoffeinträgen in die Große Laber. Zudem erfolgte eine Nutzungsintensivierung durch die verbliebenen Viehhaltenden Betriebe, was dichte, starkwüchsige Wiesenbeständen mit frühzeitiger Mähnutzung fördert. Vogelbrutplätze gehen damit verloren. Die Dynamik der Großen Laber ist durch die Nutzung bis an die Ufer stark eingeschränkt. Typische Strukturen, wie Ufergehölzsäume und Auwälder, sind kaum vorhanden.

Was wurde unternommen?

Es wurde das „Labertalprojekt“ ins Leben gerufen. Mit Hilfe eines computergestützten geografischen Informationssystems (GIS) wurde eine flächenscharfe Konfliktanalyse der verschiedenen Nutzungsansprüche (Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Naturschutz) durchgeführt und ein gemeinsames Entwicklungskonzept der beteiligten Projektpartner des Wasserwirtschaftsamt Landshut (WWA), untere und Höhere Naturschutzbehörde, Bayerischer Bayernverband, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) erarbeitet. Durch eine projektbegleitende Arbeitsgruppe wurden die verschiedenen Interessensgruppen frühzeitig in den Entscheidungsprozess einbezogen.

Für die Umsetzung des Konzeptes wurden verschiedene Instrumente angewandt: einzelbetriebliche Beratung, Flächenankauf, Flächentausch und die Nutzung von staatlichen Förderprogrammen zur Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung (Kulturlandschaftsprogramm, Vertragsnaturschutzprogramm). Mit dem Amt für ländliche Entwicklung (ALE) Regensburg konnte ein entscheidender Partner für die Projektumsetzung gewonnen werden. Im Rahmen von drei ökologischen Flurneuordnungsverfahren im Projektgebiet wurde der Kauf und Tausch der benötigten Flächen durch das ALE abgewickelt. Das WWA Landshut und die beteiligten Gemeinden Langquaid, Herrngiersdorf und Rohr mit finanzieller Förderung durch den Bayerischen Naturschutzfonds waren Träger, der Landschaftspflegeverband Kelheim VöF e.V. Koordinator der Projektumsetzung. Es konnte ein sehr hoher Umsetzungsgrad erreicht werden. Es wurden Flächen von über 140 Hektar für insgesamt knapp 2,5 Mio € angekauft. Am Flusslauf der Gr. Laber wurde ein beiderseits mindestens 5 - 10 Meter breiter Pufferstreifen auf einer Länge von etwa 26 Kilometer geschaffen. Eine extensive Rinderbeweidung („Labertaler Ochs“) wurde installiert. Angekaufte Wiesenflächen werden gemäß einem abgestimmten Pflegeplan durch Landwirte extensiv bewirtschaftet und auf ca. 20 ha werden gezielte Landschaftspflegemaßnahmen durch den VöF durchgeführt.