Schwammregion Kelheim: Arbeitsgruppe zieht erste Zwischenbilanz
Bau von Wasserrückhaltebecken, Flächenankäufe für Moorschutzmaßnahmen, Anlage von mäandrierenden Gewässerläufen, Wasserrückhaltung in Entwässerungsgräben, Anlage von wassergefüllten Seigen, Humusaufbau in Ackerflächen und vieles mehr – seit gut einem Jahr läuft das Projekt „Schwammregion Landkreis Kelheim“. Die Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes als wichtige Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel steht dabei im Fokus. Das Anfang 2025 von der Bayerischen Staatsregierung initiierte Aktionsprogramm „Schwammregionen“ zielt darauf ab, die Klima-Resilienz in Zeiten des klimatischen Wandels zu stärken. Der Landkreis Kelheim ist eine der zehn ausgewählten bayerischen Schwammregionen, in denen spezielle Schutzkonzepte entwickelt und in die Praxis umgesetzt werden sollen. Die Förderung erfolgt über das Amt für Ländliche Entwicklung Niederbayern.
Anfang Mai erfolgte nun die zweite Sitzung der projektbegleitenden Arbeitsgruppe (PAG) der Schwammregion in Aiglsbach. Die PAG setzt sich interdisziplinär zusammen aus Vertretern relevanter Fachbehörden und Fachverbände. Koordiniert wird die Fachgruppe vom Landschaftspflegeverband Kelheim VöF, der in Zusammenarbeit mit den Kommunen die Projektträgerschaft übernommen hat.
Aiglsbachs erster Bürgermeister Leonhard Berger, Preisträger des boden:ständig Preises 2025, hieß die Mitglieder der Arbeitsgruppe im Gemeindehaus willkommen. Mit der zunehmenden Häufigkeit von Starkniederschlagsereignissen spürt die vom Hopfenanbau geprägte Gemeinde Aiglsbach den Klimawandel unmittelbar. „Wir brauchen gezielte Maßnahmen, um den Auswirkungen entgegenzutreten. In den vergangenen Monaten wurden gute Konzepte und Fachplanungen entwickelt. Das erste Rückhaltebecken ist fertiggestellt, weitere Wasserrückhaltemaßnahmen folgen, Fördergelder werden bereitgestellt, die Bevölkerung zieht mit. Wir sind mit den Entwicklungen sehr zufrieden“, so das Gemeindeoberhaupt.
Auch Bürgermeister Herbert Blascheck, Vertreter des bayerischen Gemeindetags, betonte die Wichtigkeit der bayernweiten Initiative. „Wir brauchen als Kommunen vor allem gute und machbare Praxisbeispiele. Unser gemeinsames Ziel ist es, vorbeugend zu handeln, um die Schäden möglichst zu minimieren. An vielen Stellen im Landkreis Kelheim sind wir hier mit dem Pilotprojekt auf einem guten Weg. Entscheidend ist, die Menschen vor Ort mit einzubinden, so wie es hier in Aiglsbach vorbildlich gelungen ist“.
Klaus Amann und Dr. Birgit Kraus vom Landschaftspflegeverband VöF berichteten über die seit Beginn 2025 durchgeführten, laufenden und geplanten Maßnahmen im Rahmen des Projekts. Hierbei wurde sichtbar, wie breitgefächert im Landkreis Kelheim das Thema anpackt wird.
Im Rahmen der Erosionsschutzinitiative boden:ständig konnten bisher in 11 Kommunen Maßnahmenvorschläge konzipiert und Projekte geplant und umgesetzt werden, angefangen bei der Anlage von Mulden über Wegeanhebungen bis zur Anlage großer Rückhaltebecken. So befindet sich aktuell ein Rückhaltebecken mit ca. 13.000 m³ Volumen bei Hienheim am Beginn des Westertals in Fertigstellung, in Niederumelsdorf bei Siegenburg oder in Elsendorf entstehen Rückhaltebecken mit Volumina von über 30.000 m³. Gefördert werden diese Maßnahmen im Rahmen von Verfahren der ländlichen Entwicklung.
„Einen weiteren wichtigen Schwerpunkt stellt die Sicherung von Niedermoorstandorten dar. Zurzeit laufen im Niedermoor südlich Niederleierndorf (Naturschutzgebiet), im Sippenauer Moor, im Forstmoos und im Heiligenstätter Moos bei Neustadt an der Donau Maßnahmen zur Vernässung. Im Heiligenstätter Moos wurde ein ökologisches Flurneuordnungsverfahren mit einem Budget von über 1,0 Mio. € eingeleitet, um Flächen anzukaufen und ein größeres zusammenhängendes Areal für den Moor- und Klimaschutz gemeinsam mit der Stadt Neustadt zu entwickeln“, so Klaus Amann, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes VöF.
Naturnahe Flüsse und Auen stärken den Wasserrückhalt durch natürliche Speicherfunktionen bei Hochwasser und die langsame Abgabe von Wasser in Trockenzeiten. Im Rahmen der ökologischen Optimierung von Fließgewässern wurde bereits ein Abschnitt des Feckinger Bachs im Bereich Peterfecking entschlammt und somit sein ökologischer Zustand verbessert.
Auch Feuchtbiotope, wie Tümpel und Weiher, dienen dem Wasserrückhalt. Gerade auf der trockenen Jurahöhe sind sie wichtig für die Verbesserung des Wasserhaushaltes, können bei Starkregenereignissen Erosion vermindern und ein Austrocknen der Landschaft mildern. Im Zuge der ökologischen Optimierung von wasserrückhaltenden Biotopen wurden bereits zwei Himmelsweiher auf der Jurahöhe teilweise entlandet und ihre Funktionsfähigkeit wiederhergestellt. Ebenso wurde in der Hallertau im Dürnbucher Forst ein Weiher renaturiert.
Die optimierte Pflege von Gräben und Gewässern 3. Ordnung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. „Mit einer optimierten Pflege solcher kleinen Gewässer kann der Wasserrückhalt in der Flur merklich verbessert werden und gleichzeitig profitiert die Artenvielfalt“, erklärte Dr. Birgit Kraus vom VöF.
In der Zukunft soll das Augenmerk auch stärker auf den Siedlungsbereich gerichtet werden und Themen wie beispielweise Entsiegelung, Wasserspeicherung und Versickerung auf dem eigenen Grundstück angegangen werden.
Veranstaltungen im Rahmen der Informations- und Öffentlichkeitsarbeit sollen die Ziele der Schwammregion Landkreis Kelheim darlegen, Hintergründe erklären und ein Bewusstsein für die Problematik schaffen. Angebotene Fachvorträge und Schulungen vermitteln wichtiges Hintergrundwissen und Kenntnisse für die Umsetzung von Maßnahmen. So fand im Rahmen des sogenannten Humus-Tandems, einer Qualifizierungs- und Informationsinitiative in Zusammenarbeit mit dem AELF, beispielsweise ein Arbeitstreffen zur erosionsmindernden Bodenbewirtschaftung statt. Und in einem Praxiskurs zur Gewässerunterhaltung, welcher im Rahmen des Projekts Fluss.Frei.Raum initiiert und gemeinsam mit dem Wasserwirtschaftsamt Landshut, dem Landschaftspflegeverband Kelheim VöF und dem Kreisfischereiverein Kelheim umgesetzt wurde, konnten sich die Mitarbeitenden der Bauhöfe wichtiges Wissen für die Umsetzung ingenieurbiologischer Maßnahmen und die nachhaltige, kostenneutrale Unterhaltung von Gewässern III. Ordnung aneignen.
Bürgermeister Herbert Blascheck brachte es abschließend auf den Punkt: „Die Maßnahmen im Rahmen der Schwammregion Landkreis Kelheim sind ein wichtiger Schritt, um sich den Klimaveränderungen vor Ort anzupassen. Der Landkreis Kelheim ist hierbei federführend, die Vielzahl an Maßnahmen schon im ersten Jahr der Schwammregion ist beeindruckend und macht Mut.“
Die Resonanz der beteiligten Fachbehörden und Verbände war durchwegs positiv und der eingeschlagene Weg wurde nachdrücklich unterstützt.
Abschließend ging es für die Teilnehmenden noch unter der Anleitung von Felix Schmitt auf Exkursion zu einem Rückhaltebecken bei Aiglsbach und zwei geplanten Rückstaubereichen im Gebiet Pöbenhausen.










